Unser großer Garten

In unserer Einrichtung ist das Außengelände, unser großer Garten, ein wahrer Schatz. Tag für Tag dürfen wir erleben, wie dieser besondere Ort die Augen unserer Kinder zum Leuchten bringt und ihnen unzählige Möglichkeiten zum Entdecken, Spielen und Lernen bietet.


Unser Garten ist ein Raum mit einer großen Vielfalt an Flora und Fauna. Schon beim Betreten spürt man die besondere Atmosphäre: alte Bäume spenden Schatten, Sträucher bieten Verstecke und kleine Insekten summen und krabbeln zwischen Gräsern und Blumen. Für unsere Kinder ist dies ein unerschöpfliches Lernfeld. Sie beobachten Käfer zwischen Steinen und die Insekten im Insektenhotel, lauschen dem Gesang der Vögel oder bestaunen die Blütenpracht, die sich je nach Jahreszeit wandelt.

Neben der Fülle an Natur bietet unser Außengelände auch eine reiche Auswahl an Spielgeräten, die die Fantasie anregen und die motorischen Fähigkeiten fördern: Schaukeln laden zum Fliegen ein, die Wippe zum gemeinsamen Lachen, das Klettergerüst zur Eroberung neuer Höhen.

Doch unser Garten ist nicht nur ein Ort für die Kinder der Kita. Er ist auch immer wieder ein Treffpunkt für unsere gesamte Paulusgemeinde. Ob Sommerfest, Sankt-Martins-Fest oder einfach nur ein gemütliches Beisammensein – unser Außengelände bietet den idealen Rahmen für Events, die Jung und Alt zusammenbringen und das Gemeinschaftsgefühl stärken. Es ist immer wieder schön zu sehen, wie der Garten zum pulsierenden Herzen unserer Gemeinde wird.

Ganz besonders freut uns eine Neuerung in unserem Garten: Unser neuer Hausmeister hat kürzlich drei neue Bäume gepflanzt! Vor einigen Jahren mussten mehrere Bäume gefällt werden. Um sie zu ersetzen, wurden nun möglichst hitze- und trockenheitsresistente Arten ausgewählt, denn der Klimawandel ist durchaus zu spüren. Eine Esskastanie, eine Eberesche und ein Speierling bereichern nun unsere Baumfamilie. Für unsere Kinder sind diese Neuzugänge im Frühling und Frühsommer besonders spannend:

•    Die Esskastanie treibt bereits ihre großen, frischgrünen Blätter aus, die im Sonnenlicht leuchten. Die Kinder können dann beobachten, wie schnell die Blätter wachsen und wie sich die ersten Blütenknospen entwickeln, die später im Jahr Bienen anlocken werden. Sie lernen dabei etwas über das Wachstum und die Bedeutung von Bäumen für die Natur. Später werden die Kastanienfrüchte sicherlich ein Highlight sein, die wir gemeinsam sammeln können.
•    Die Eberesche, auch Vogelbeere genannt, begeistert uns in Zukunft mit wunderschönen weißen Blüten, die in dichten Dolden stehen. Sie werden Insekten anziehen – eine großartige Gelegenheit für unsere Kinder, Bienen und Hummeln bei ihrer wichtigen Arbeit zu beobachten. Später werden die leuchtend roten Beeren dann eine wichtige Nahrungsquelle für die Vögel sein, was wir gemeinsam bestaunen können.
•    Und nicht zuletzt der Speierling – ein Baum, der hier in Hessen eine besondere Tradition hat. Auch er präsentiert sich immer im Mai mit zarten weißen Blüten. Die Kinder können entdecken, wie aus den unscheinbaren Knospen diese feinen Blüten entstehen. 

Ganz nebenbei lernen die Kinder die verschiedenen Jahreszeiten kennen, erfahren Kreisläufe der Natur und entwickeln ein tiefes Verständnis und eine Wertschätzung für unsere Umwelt.

Unser Garten ist ein Geschenk, das wir gemeinsam pflegen und nutzen. Wir freuen uns darauf, auch weiterhin viele schöne Stunden dort zu verbringen – mit unseren Kindern und mit Ihnen, liebe Gemeindemitglieder.

Mit herzlichen Grüßen, das Kita Team

Autoren: Maren Helmkamp-Nieger und Mario Trietsch

Die spielen ja nur

„Die spielen ja nur?!“ – Warum Freispiel ein wichtiges Training für das Leben ist

Lieber Leser,

wer bei uns in der Kita Paulusgemeinde vorbeischaut, sieht oft ein buntes Gewusel: Da wird in einem Raum ein Turm bis zur Decke gebaut, in einem anderen Raum wird „Familie“ gespielt, und am Maltisch entstehen die kreativsten Kunstwerke. In diesen Momenten leistet das Kind eine wichtige Arbeit: Das „Freispiel“.

Was steckt dahinter?

Freispiel bedeutet, dass das Kind selbst bestimmt: Was spiele ich, mit wem, wie lange und wo? Das Kind lernt, Entscheidungen zu treffen und für diese dann auch die Verantwortung zu tragen. Es erlebt sich als selbstwirksam und kompetent. Es gibt keinen vorgegebenen Plan von uns Erwachsenen. Das klingt nach totaler Freiheit, ist aber ein komplexes Lernprogramm.

Kreativität und Köpfchen

Im freien Spiel verwandelt sich die Welt unserer Kinder in einen Ort voller Möglichkeiten. Da braucht es kein teures Spielzeug: Ein einfacher Pappkarton wird mit ein wenig Fantasie zum rasenden Feuerwehrauto und eine über zwei Stühle geworfene Decke verwandelt sich augenblicklich in eine geheimnisvolle Höhle.

In diesen Momenten werden die Kinder zu kleinen Architekten und Wissenschaftlern. Sie nutzen ihre Kreativität, um ganz praktische Probleme des Alltags zu lösen. Hierdurch entwickeln sich spannende Fragen, die den Forschergeist wecken:

•    „Wie müssen wir die Klammern setzen, damit das Dach unserer Deckenhöhle nicht immer wieder herunterrutscht?“
•    „Wie viele Bausteine können wir noch stapeln, bevor der Turm wackelt und schließlich krachend umfällt?“
•    „Was passiert eigentlich im Malkasten, wenn ich das helle Gelb mit dem dunklen Blau vermische?“

Hinter all diesen spielerischen Momenten steckt echtes gelebtes Forschen. Die Kinder probieren aus, scheitern, passen ihren Plan an und freuen sich über ihren Erfolg. Es ist genau dieser Prozess des Entdeckens, der ihnen hilft, sich die Welt um sie herum Stück für Stück zu erschließen.

Soziales Training

Besonders spannend wird es, wenn verschiedene Wünsche und Interessen aufeinandertreffen. Wer darf die begehrte rote Schaufel haben? Wer bestimmt eigentlich, wer in der Spiel-Familie die „Mama“, das „Baby“ oder der „Hund“ ist? Was für uns Erwachsene wie eine Kleinigkeit aussieht, ist für die Kinder echte Diplomatie. Hier lernen sie, ihre eigenen Wünsche zu formulieren, dem anderen zuzuhören, Kompromisse zu finden oder Allianzen zu bilden. Es geht aber auch darum, mit Frust umzugehen, wenn es mal nicht nach den eigenen Erwartungen läuft. Wichtigen soziale Kompetenzen wie Empathie, soziale Intelligenz, Teamgeist und Durchsetzungsvermögen kann man nicht aus Büchern lernen. Man muss sie im echten Miteinander, oft eben beim Freispiel, erfahren.

Gefühle verarbeiten und Mut gewinnen

Oft verarbeiten die Kinder im Spiel ihren Alltag. Sie schlüpfen in unterschiedliche Rollen, probieren aus, wie es ist, mal „groß und stark“ oder mal „klein und verletzlich“ zu sein, sie balancieren eigenständig auf einem Baumstamm und gewinnen so Schritt für Schritt Selbstvertrauen. Dieses Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten ist der wichtigste Baustein für ein positives Selbstkonzept und ein gesundes Selbstbewusstsein. Kinder merken: „Aha, wenn ich das auf diese Weise mache, dann kann ich das!“

Präsent im Hintergrund: Unsere Rolle im Spiel 

Beim Beobachten unserer kleinen Entdecker achten wir auf die feinen Details: Wer braucht vielleicht gerade einen kleinen Anstoß, um ins Spiel zu finden? Wo kündigt sich ein Streit an, den die Kinder noch nicht allein klären können und bei dem ich als Erzieher feinfühlig vermitteln muss? 
Manchmal halten wir uns auch bewusst zurück, sehen aber genau hin: Wer spielt mit wem? Wer braucht gerade einen Moment für sich? Wer macht gerade einen riesigen Entwicklungsschritt? Diese Beobachtungen helfen uns, die Bedürfnisse jedes Kindes besser zu verstehen und den Eltern später eine fundierte Rückmeldung geben zu können.

Wichtig ist uns weiter die emotionale Sicherheit. Wenn ein Kind zwischendurch zu uns kommt, um ein „Weißt du was?“ loszuwerden oder sich einfach anzulehnen, dann schenken wir dem Kind und uns selbst diesen Moment Zeit. Manchmal entsteht dabei aus einfachen Fragen eines Kindes ein schönes philosophisches Gespräch. „Wo ist Gott?“. Statt die Antwort vorzugeben, fragen wir zurück: „Was glaubst du denn?“. Das regt zum Nachdenken an und gibt den Kindern das Selbstbewusstsein, eigene Theorien aufzustellen.

Wenn sie also das nächste Mal ein Kind bei uns völlig versunken im Sandkasten graben sehen, wissen sie: Hier wird für das echte Leben geübt. Denn dieses „nur Spielen“ ist für Kinder die wichtigste Arbeit der Welt.

Herzliche Grüße aus der Kita.

Autor: Mario Trietsch