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© Stadtkirchengemeinde
Wer in Darmstadt um zwölf auf dem Marktplatz steht, hört sie: vier Bronzeglocken, gegossen 1956, zusammen fast fünf Tonnen schwer. Sie läuten zu den Gottesdiensten, jeden Mittag und jeden Abend – und einmal im Jahr um Mitternacht, für die Toten einer einzigen Nacht.
Das Geläut
| Gedächtnisglocke | h⁰ | 2.267 kg | „Wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn.“ (Röm 14,8) |
| Landgrafenglocke | d¹ | 1.319 kg | „Verbum Domini manet in aeternum.“ (1. Petr 1,25) |
| Prälat-Diehl-Glocke | e¹ | 944 kg | „Dienet dem Herrn mit Freuden.“ (Ps 100,2) |
| Gebetsglocke | g¹ | 586 kg | „Haltet an am Gebet.“ (Röm 12,12) |
Die vier Töne h – d – e – g bilden das Te-Deum-Motiv, eines der klassischen Glockenmotive: dieselbe Tonfolge, mit der seit Jahrhunderten das große Dankgebet der Kirche gesungen wird.
Wann geläutet wird
Vor jedem Gottesdienst zehn Minuten lang, und im Gottesdienst noch einmal zum Vaterunser. Täglich um 12.00 und um 18.00 Uhr für je fünf Minuten.
Am Totensonntag läuten die Glocken, während die Namen der Verstorbenen verlesen werden. Und sie läuten, wenn ein Gemeindeglied beerdigt wird.
In der Nacht zum 12. September, von fünf vor bis fünf nach Mitternacht, erinnern sie an die Brandnacht von 1944. Zu Silvester läuten sie um Mitternacht ins neue Jahr.
Sechs Glocken, drei Verluste
Vor dem Krieg hingen sechs Glocken im Turm, die älteste von 1473: ein kleines Sanktusglöckchen mit dem Ave Maria in gotischen Buchstaben. Dazu die Sophienglocke, die Landgräfin Sophie Eleonore 1656 zum Andenken an ihren verstorbenen Vater stiften ließ, und eine Betglocke von 1659, die außen an der Turmhaube hing und ab 1874 als Sturmglocke diente.
1942 mussten drei Glocken für Kriegszwecke abgeliefert werden – die drei jüngsten, 1837 in Darmstadt bei Friedrich Otto gegossen. Ausgerechnet sie überstanden den Krieg: Sie lagerten auf dem Glockenfriedhof in Hamburg, wo Tausende beschlagnahmter Glocken auf ihre Einschmelzung warteten, und kehrten 1947 unversehrt zurück.
Die drei alten blieben im Turm. Sie schmolzen, als die Stadtkirche in der Brandnacht 1944 ausbrannte. Was man später in den Trümmern fand, wurde 1949 als Altmetall verkauft.
Die drei Heimkehrerinnen von 1837 kaufte 1949 die Bessunger Petrusgemeinde. Sie läuten dort bis heute.
1956: vier neue
Am 3. Februar 1956 goss die Glockengießerei Gebrüder Rincker im mittelhessischen Sinn vier neue Glocken. Drei Wochen später wurden sie geprüft, am 25. Februar von der Gemeinde feierlich eingeholt und am Sonntag Lätare, dem 11. März 1956, geweiht.
Bezahlt hat sie die Stadt. Nicht nur im übertragenen Sinn: Die Gedächtnisglocke stiftete die Stadt Darmstadt, die Prälat-Diehl-Glocke die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau, die Gebetsglocke das Ehepaar Julius und Sophie Koller. Den Rest brachte eine Glockensammlung auf – bei rund 10.000 Gemeindegliedern wurden 2.400 Spenden gezeichnet.
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