Die Stadtkirche

Darmstadts älteste Mitte

Zwischen Marktplatz und Residenzschloss steht ein Raum, den es länger gibt als fast alles andere in Darmstadt: die Stadtkirche. Sie ist Gottesdienstraum, Konzertsaal, Ausstellungsort und Grablege — und an den meisten Tagen einfach ein offener, heller Ort mitten im Trubel der Innenstadt.

Aus einer Kapelle wird die Kirche der Stadt

1369 wird die Stadtkirche zum ersten Mal erwähnt: Eine kleine Kapelle löst sich von der Mutterpfarrei Bessungen und wird eigenständige Pfarrkirche. An die Marienkapelle, mit der alles begann, erinnert bis heute ein Schlussstein im Chorraum. Mit der Reformation 1526 wurde sie zu dem, was sie geblieben ist: die evangelische Zentralkirche Darmstadts.

Drei Teile des alten Baus haben alles überstanden — die Turmhalle mit dem ältesten Wappen der Stadt, der spätgotische Chorraum mit seinem Netzrippengewölbe und den Epitaphen, und darunter die Fürstengruft der Landgrafenfamilie.

Eine Nacht im September 1944

Am 11. September 1944 zerstörte ein Luftangriff die Stadtkirche fast vollständig. Nur der Chorraum blieb stehen. Die Gemeinde richtete ihn als Notkirche ein und feierte weiter — zwischen Trümmern. Am ersten Advent 1953 wurde die wiederaufgebaute Kirche eingeweiht; ihre heutige, helle Gestalt erhielt sie bei der großen Innensanierung zwischen 2003 und 2006.

Ein Kreuz aus Nägeln

Im Chorraum hängt ein Kreuz aus drei Zimmermannsnägeln. Es stammt aus der 1940 zerbombten Kathedrale von Coventry und ist das Zeichen der Nagelkreuzgemeinschaft, eines weltweiten Netzwerks für Versöhnung. Die Stadtkirche gehört ihr seit 1976 an — eine Kirche, die selbst im Krieg zerstört wurde und daraus eine Aufgabe gemacht hat.

Und heute?

Gottesdienste, Konzerte, Lesungen, Ausstellungen, Predigtreihen: Mit rund 1.000 Plätzen ist die Stadtkirche einer der größten Veranstaltungsräume der Stadt — und Gastgeberin für vieles, was in Darmstadt gefeiert, betrauert und diskutiert wird.

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