Pauluskirche

Geschichte der Paulusgemeinde

Die Paulusgemeinde entsteht am 1. Oktober 1902 durch die Gründung eines neuen Pfarrbezirks der Bessunger Gemeinde (heute Petrusgemeinde). Der neue Bezirk bekommt einen eigenen Pfarrer und den Namen Paulusbezirk. Er umfasst im Wesentlichen das damals noch Heerdwegviertel genannte Paulusviertel, das nach den Plänen Friedrich Pützers (1871-1922) in der städtebaulichen Entwicklung war.

In den Jahren 1905 bis 1907 wird als Mittelpunkt dieses Viertels die Pauluskirche mit angeschlossenem Pfarrhaus nach den Plänen Friedrich Pützers errichtet. Das zuvor gebaute Küsterhaus an der Ohlystraße fungiert dabei als Bauhütte. Am 29. September 1907 wird die Kirche in Gegenwart des Großherzogs eingeweiht.

Nach dem ersten Weltkrieg wird der Gebäudebestand erweitert um eine an der Ohlystraße gelegene Krippe und Kleinkinderschule (Kindergarten). Die Gemeindechronik weiß aus dieser Zeit von einem lebendigen Gemeindeleben mit Chorschule, Turn- und Theatergruppen sowie Angeboten der Erwachsenenbildung zu berichten. Prägend ist Hermann Rückert (1866-1941), ein der Liberalen Theologie verbundener Pfarrer, der bis 1932 in der Paulusgemeinde wirkte. Sein Ehrengrab befindet sich auf dem Alten Friedhof (Feld IV, Mauer 128).

In der Zeit des Nationalsozialismus gibt es Verbindungen zum kirchlichen Widerstand, der Bekennenden Kirche. Die beiden Pfarrer Robert Wolf (in der Paulusgemeinde tätig bis 1946) und Arthur Müller (tätig bis 1938) förden Aktivitäten dieser Gruppe, die sich gegen eine „Gleichschaltung“ der Kirche wehrt. Über die Grenzen Darmstadts hinaus wahrgenommen wird die Evangelische Woche (1937). Diese Missions- und Vortragsveranstaltung findet trotz staatlichen Verbots statt. Daraufhin umstellt die Gestapo die Pauluskirche. Durch den mutigen Einsatz zahlreicher Menschen gelingt es, die Veranstaltung weiterzuführen. Pfarrer Wolf und andere werden verhaftet und nach einigen Tagen wieder auf freien Fuß gesetzt.

Beim Luftangriff auf Darmstadt in der Nacht vom 11. zum 12. September 1944 wird die Merck-Villa an der Ohlystraße durch eine Luftmine völlig zerstört. Die Druckwelle bringt den Chorraum der Pauluskirche zum Einsturz; auch die Dächer von Kirche und Pfarrhaus werden beschädigt. Die Gottesdienste werden daraufhin in den Kindergarten, später in den Gemeindesaal verlegt (daher auch „Kirchensaal“ genannt). Nach dem Zweiten Weltkrieg werden die Schäden beseitigt. Am 15. August 1948 wird die Pauluskirche wieder gottesdienstlich in Gebrauch genommen.

In den 1950er-Jahren wird das Innere der Pauluskirche grundlegend verändert. Die ursprüngliche progressive Gestaltung des Kirchenraums nach den Grundsätzen des Wiesbadener Programms wird zugunsten einer konventionellen Raumgestaltung aufgegeben. Hintergrund dieser Umgestaltung ist die theologische Prägung des damaligen Pfarrers Rudolf Wintermann (tätig von 1946-1954). Nach seinem Gottesdienstverständnis muss der Altar im Kirchenraum besonders betont werden. Deshalb lässt er den Altar von der Kanzel trennen und in den Chorraum zurückverlagern. Die Wände des Chorraums werden 1960 vom Arnoldshainer Künstler Helmuth Uhrig (1906-1979) gestaltet. Sein von biblischen Motiven geprägter Bildzyklus ist eine Meditation über Johannes 1,14: „Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit.“ Von Helmuth Uhrig stammen auch die Paulusfenster sowie das Kruzifix.

Eine besondere Form der Erwachsenenbildung, insbesondere für Seniorinnen und Senioren, ruft 1970 Pfarrer Emil Britz (tätig von 1948-1974) ins Leben. Gemeinsam mit anderen gründet er die Stätte der Begegnung in der Wittmannstraße 55. Ein über lange Jahre von Dr. Elisabeth Kleberger organisiertes anspruchsvolles Vortragsprogramm sowie Kulturfahrten zu verschiedensten Zielen prägen bis heute die Arbeit der Stätte.

In den 1980er Jahren werden größere Umbauten an Kindergarten und Jugendhaus vorgenommen. Die Jugendarbeit wird von der Jugendleiterin Ute Bernet (tätig bis 1994), aber auch von den Heliand-Pfadfindern und dem Evangelischen Jugendwerk vielfältig gestaltet. Im Jahr 2007 werden Kindertagesstätte und Jugendhaus erneut umgebaut und erhalten ihre heutige Gestalt.


Kontakt

Evangelische Paulusgemeinde Darmstadt
Niebergallweg 20
64285 Darmstadt

Tel.: 06151 427812
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!